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Im Mittelpunkt das Kind

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Lernen mit Hand, Herz und Verstand. Ein Kind lernt nicht mit dem Kopf. Der Kopf lernt mit dem Kind. Und das Kind in seiner individuellen Entwicklung steht in der Waldorfschule im Mittelpunkt. Hier regiert kein abstrakter Lehrplan. Der Wegweiser ist das Kind selbst.

Die Freie Waldorfschule untergliedert sich in fünf Stufen:

Eingangsstufe

Klassen 1 bis 4 = Unterstufe

Klassen 5 bis 8 = Mittelstufe

Klassen 9 bis 12 = Oberstufe

Klasse 13 = staatliches Abitur (G 9)

Je nach Entwicklungsstand bilden sich in jeder Jahrgangsstufe eigene Schwerpunkte im Lehrplan.

Eingangsstufe

Der Übergang vom Kindergarten zur Grundschule wird den Kindern ab fünfeinhalb Jahren durch die Eingangsstufe erleichtert. Im Vordergrund steht die Sinnesschulung, die durch Bewegung, Natur erleben bei Wind und Wetter, durch gemeines Backen, Kochen und Essen gepflegt wird. Freies Spiel, Singen, Eurythmie und Malen finden ihren regelmäßigen Platz im Wochenablauf. Die Eingangsstufe ist im Grundschulgebäude untergebracht. Durch den gemeinsamen Schulhof und das Feiern der Jahresfeste wachsen die Kinder mit der Schulgemeinschaft zusammen. Betreuungszeiten sind hier 8.15 bis 13.35 Uhr.

Unterstufe

In der 1. Klasse haben die Schülerinnen und Schüler noch einen sehr unmittelbaren Bezug zur Welt, die sie umgibt. Die Epochen sind hier: Rechnen, Schreiben, Formenzeichnen. Die Großbuchstaben werden über die Laute bildhaft eingeführt und die vier Grundrechenarten im kleinen Zahlenraum gelernt. Als Fachunterricht kommen Eurythmie, Handarbeit, Musik, Spielturnen, Religion, Englisch und Französisch hinzu.

Das systematische Lesen, Schreiben und Rechnen wird in der 2. Klasse erlernt. Das Formenzeichnen übt die Wahrnehmung, Bewegungskoordination, Feinmotorik und Konzentration und soll den Schreiblernprozess erleichtern. Es werden Hefte selbst erstellt und Musikinstrumente ausprobiert. Bildhafte Naturgeschichten, Fabeln und Legenden bilden den ersten Lesestoff oder werden erzählt.

In der 3. Klasse kommen einige neue Epochen hinzu und das bisher Erlernte wird mit der Praxis zusammengefügt. Die Schülerinnen und Schüler lernen die Handwerksberufe kennen. Durch Besuche beim Bäcker, beim Schuster, Schreiner oder Schmied, in der Weberei oder beim Töpfer erleben sie die Kunstfertigkeiten. Es wird ein Feld bestellt und damit der Kreislauf der Jahreszeiten aus der Sicht des Bauers durchlaufen. Es wird von jedem Kind ein „Haus“ im Modell gebaut. Außerdem entsteht in gemeinsamer Eltern- und Schülerarbeit ein Bau auf dem Schulgrundstück. Zum Beispiel sind ein Backhaus, ein Baumhaus und ein überdachter Pavillon entstanden.

In der 4. Klasse werden die Grundrechenarten schriftlich vervollständigt und das Bruchrechnen eingeführt. Im Deutschunterricht stehen die Wortarten und die Zeiten im Fokus. Eine altersgemäße Lektüre führt die Kinder an das Lesen heran. Im Erzählteil geht es um Sagen und Mythen verschiedener Kulturen. Als naturkundliche Epoche kommt die Tierkunde dazu. In der Heimatkunde wird das Schulgelände abgemessen und alle Gebäude in einen Plan eingezeichnet. Außerdem werden Ausflüge in die nähere und weitere Umgebung unternommen. Am Ende steht eine kleine Klassenfahrt mit Übernachtung an.

Mittelstufe

In der Mittelstufe führt das Prinzip der gleichberechtigten Förderung der intellektuell-kognitiven („Denken“), der künstlerischen-kreativen („Fühlen“) und der handwerklichen-praktischen („Wollen“) Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler zu einem großen Angebot an handwerklich-künstlerischen Fächern. Das Erarbeitete wird in sogenannten Epochenheften schriftlich erarbeitet und illustriert.

Als neue Fächer kommen in der Mittelstufe hinzu:

5. Klasse: Geschichte, Pflanzenkunde, Gartenbau

6. Klasse: Physik, Himmelskunde, Gesteinskunde

7. Klasse: Chemie, Menschenkunde

8. Klasse: Ernährungslehre, Projektwoche, Theaterspiel, Jahresarbeit

Mit zunehmendem Alter wird auch der Anteil der Lerninhalte größer, den sich die Schülerinnen und Schüler selbst erarbeiten. Siehe dazu auch Jahresarbeiten und Klassenspiele. Mit der 8. Klasse endet in der Regel die Klassenlehrerzeit.

Oberstufe

Mit dem Ende der Klassenlehrerzeit (1. bis 6. bzw. bis 8. Klasse) beginnt die Waldorfoberstufe. War in der Mittelstufe der Unterricht noch stärker vom Lehrer vorgegeben, so steht ab der Oberstufe das eigenständige Erarbeiten und die Orientierung an den Sachinhalten verstärkt im Vordergrund.

Zum Oberstufenunterricht gehören ab der 9. Klasse neben Mathematik und Deutsch, Physik, Geschichte, Biologie, Chemie und andere kognitiv orientierte Fächer. Praktische Fähigkeiten erwerben sich die Schüler durch Fächer wie Technisches Zeichnen, Schreinern oder im naturwissenschaftlichen Praktikum. Außerdem wird die Oberstufe von zahlreichen Praktika begleitet.

9. Klasse: Handwerks- und Landwirtschaftspraktikum

10. Klasse: Industriepraktikum und Feldmess-Praktikum

11. Klasse: Sozialpraktikum

12. Klasse: Kunstreise als Abschluss des Kunst- und Architekturunterrichts

In der 13. Klasse bereiten sich die Schülerinnen und Schüler gezielt auf ihre jeweiligen Prüfungsfächer für das Abitur vor, die sie bereits zu Beginn der 11. Klasse auswählen konnten.

Alternative: Berufsvorbereitung

Schüler, die nicht in die gymnasiale Oberstufe aufgenommen werden können, haben die Möglichkeit sich ab der 11. Klasse intensiv auf den mittleren Bildungsabschluss vorzubereiten. Hierfür haben sie die Hauptfächer Deutsch, Mathematik und Englisch in einer kleinen Gruppe.

Darüber hinaus bekommen die Schüler die Gelegenheit, sich auf die Anforderungen des Berufslebens vorzubereiten und sich in der Berufswelt zu orientieren. Dies geschieht einerseits durch mehrere Praktika in Betrieben, andererseits in eigenen Unterrichtseinheiten, wie Wirtschaftskunde, Buchführung, 10-Finger-Tastschreiben, Sanitätskurs und Bioethik.

Allgemeinbildender Unterricht, sowie künstlerisch-handwerkliche Kurse finden im Rahmen des Klassenverbandes der 11. Klasse statt.